Inzidenz, Impfung, Intensivbetten: Corona-Zahlen: Wie heftig ist die vierte Welle im Zeitvergleich?

Die vierte Coronawelle hat Deutschland mit voller Wucht getroffen, mit Rekordzahlen bei den Neuinfektionen. Vergleichen Sie die aktuellen Werte mit den Meldungen vor genau einem Jahr - oder wählen Sie jeden beliebigen Zeitraum.

Corona-Indikatoren
Anzahl Neuinfektionen pro 100.000 EW in 7 Tagen
Ganz Deutschland
Vergleichszeitraum
Impfquote (Erstimpfung)

Deutschland steckt tief in der vierten Welle. Am 8. November war die 200er-Marke bei der 7-Tage-Inzidenz durchbrochen, erstmals seit Beginn der Pandemie. Nur eine Woche später meldete das Robert Koch-Institut bereits 302,9 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Das ist ein Plus von 51 Prozent im Wochenvergleich - und 113 Prozent mehr im Vergleich zum gleichen Tag ein Jahr zuvor. Die Lage verschärft sich ausgerechnet kurz vor dem juristischen Ende des bundesweiten Corona-Ausnahmezustands.

Bestimmte Maßnahmen soll es aber weiter geben: Bundestag und Bundesrat verabschiedeten das umstrittene, von SPD, Grünen und FDP vorgelegte Infektionsschutzgesetz. Das bedeutet 3G am Arbeitsplatz, in Bussen und Zügen, aber vorerst keine Ausgangsbeschränkungen und flächendeckende Schulschließungen mehr. Um die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen, einigten sich Bund und Länder zudem auf einheitliche Grenzwerte bei der Hospitalisierungsrate, nach denen jedes Bundesland flächendeckende Maßnahmen verhängen soll. Die Bundesländer sprachen sich auch für eine Impfpflicht für Mitarbeitende in Kliniken und in der Altenpflege aus.

7-Tage-Inzidenz weiter wichtiges Maß

Doch allein durch die aktuell bestätigten Corona-Fallzahlen und Inzidenzwerte ist die Lage nicht mit den Coronawellen zuvor vergleichbar. Andere Virus-Varianten, Antigen-Schnelltests und vor allem die Impfungen verzerren den Vergleich. Durch das Impfen haben hohe Werte bei den Neuinfektionen für viele an Schrecken verloren. Geimpfte können sich zwar weiter anstecken, aber das Risiko ist deutlich geringer als ohne Impfschutz. Und vor allem schützen Impfungen vor schweren Verläufen. Dennoch gibt die Inzidenz weiter wichtige Hinweise über das Ausmaß der Pandemie, wenn weitere Faktoren betrachtet werden.

Die Grafik zeigt zur besseren Einschätzung des Corona-Geschehens neben der Inzidenz auch die gemeldeten Todesfälle und Zahl der Covid-19-Patient*innen auf Intensivstationen. Hinzu kommt bei allem drei Indikatoren der bundesweite Anteil der Geimpften an der gesamten Bevölkerung. Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen den Bundesländern: Bremen konnte im Herbst einen deutlichen Rückgang bei den Neuinfektionen im Vergleich zum Vorjahr vorweisen. Dort waren bereits mehr als 80 Prozent der gesamten Bevölkerung geimpft.

Niedrige Impfquoten, hohe Inzidenzen

Dagegen schnellten in Sachsen und Thüringen die Infektionszahlen in immer neue Rekordhöhen. Beide Bundesländer sind Schlusslichter beim Impfen, Sachsen hatte Anfang November nicht einmal eine Quote von 60 Prozent bei den Erstgeimpten erreicht. Das ist nicht der einzige Erkläransatz: Experten nennen auch eine späte Reiserückkehr aus den Sommerferien und den Grenzverkehr zum stark betroffenen Tschechien als zusätzliche Gründe. Aber generell zeigen auch die Zahlen des Impfmonitors: Niedrige Impfquoten bedeuten hohe Infektionsraten.

Durchseuchung bei Kindern, aber Hospitalisierung der Älteren

In der vierten Welle infiziert sich vor allem eine Altersgruppe, für die bislang in Deutschland noch keine Impfstoffe zugelassen sind: die Kinder unter 12, wie die Auswertung der Inzidenzen nach Alter zeigt. Bei Kindern ist das Risiko deutlich geringer, akut schwer an Corona zu erkranken. Kinderkliniken meldeten in diesem Herbst vor allem Überlastung wegen Atemwegswerkrankungen durch das RS-Virus. Wegen Corona werden verstärkt ältere Patient*innen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Altersgruppen ab 60 Jahren ist wieder am stärksten betroffen - auch weil hier der der Aufholbedarf bei Booster-Impfungen besonders hoch war.

Zahlen auf Intensivstationen längst wieder auf Vorjahresniveau

Als ein entscheidendes Kriterium für Maßnahmen in der Corona-Pandemie gilt mittlerweile die Hospitalisierunginzidenz. Doch die aktuellen Werte sind wegen der hohen Zahl an Nachmeldungen unterschätzt. Ein Zeitvergleich ist so nicht möglich. Wie stark unser Gesundheitssystem belastet ist, zeigen seit April 2020 auch die täglichen Meldungen der Intensivstationen . Die Zahl der Covid-19-Patient*innen hat dort längst wieder Vorjahresniveau erreicht. Und auch die Zahl der gemeldeten Todesfälle zeigt, wie heftig die vierte Welle Deutschland getroffen hat.



Datenquellen: Robert Koch-Institut und DIVI-Intensivregister
Werte basieren auf den Meldeständen am jeweiligen Tag
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