Deutschland braucht längst kein russisches Gas mehr, um Haushalte und Betriebe mit Energie zu versorgen. Entsprechend gefüllte Gasspeicher, höhere Importe aus anderen Ländern und weniger Verbrauch konnten bislang einen Gasmangel vermeiden. Wie kommt Deutschland durch diese Saison? Verfolgen Sie hier die wichtigsten Zahlen zur Gasversorgung - täglich aktuell.
Die Grafik zeigt die Tagesfüllstände der vergangenen 365 Tage (gefettete Linie) im Vergleich zum jeweiligen Tag Vorjahr (dünne Linie). Deutschland kann insgesamt rund 250 Terawattstunden Gas speichern - die größte Kapazität in Europa. Die Gastanks sind deutlich leerer als in den Jahren zuvor. Zum Jahreswechsel 2025/2026 waren sie im Durchschnitt nicht einmal halb so voll.
Das liegt auch daran, dass die Füllstandsvorgaben von der schwarz-roten Bundesregierung 2025 gelockert wurden. Laut Gasspeicherfüllstandsverordnung (GasSpFüllstV) müssen die Gasspeicher punktlich zur Heizsaison zum 1. November mindestens zu 70 Prozent gefüllt - damit es im Winter drinnen nicht kalt bleibt. Denn in der Heizperiode von Oktober bis April steigt der Gas-Bedarf der privaten Haushalte sprunghaft. Und nach der Heizsaison ist vor der Heizsaison. Am 1. Februar sollen demnach die Reserven immer noch bei 30 Prozent liegen. Diese Regeln sollen noch bis 2027 gelten.
Deutschland ist auf Erdgas aus dem Ausland angewiesen. Innerhalb des Landes werden kaum nennenswerte Mengen produziert. Über ein weit verzweigtes europäisches Netz aus Röhren importiert Deutschland die Energie. Lange Zeit lieferte Russland über Nord Stream die größte Menge nach Deutschland.
Seitdem kein russisches Gas mehr ankommt, importiert Deutschland mehr Gas aus Nachbarländern. Wichtige Lieferanten sind vor allem Norwegen und die Niederlande. Nicht alle Importe bleiben in Deutschland. Ein Teil der Gaslieferung durchquert die deutschen Röhren, um an Nachbarländer weitergeleitet zu werden.
Die Haushaltspreise für Erdgas haben seit dem russischen Überfall gut ein Jahr lang stark geschwankt. Im September 2022 erreichten sie mit 40 Cent je Kilowattstunden einen Höchstwert. Die Grafik verdeutlicht diese Entwicklung anhand der täglichen Gaspreise für Neukunden. Die Kosten für eine Kilowattstunde setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen: Die Versorger kaufen zu Großhandelspreisen, die bei knappem Angebot steigen. Hinzu kommen Steuern und Abgaben.
Nachdem Russland im Sommer 2022 den Gashahn in Richtung Westen zugedreht hat, spart Deutschland Gas. Der Gasverbrauch hängt insbesondere bei Haushalts- und Gewerbekunden stark von den Temperaturen ab. Un im Durchschnitt war es in der ersten Heizperiode nach Russlands Gassperre (2022/2023) wärmer als in den Vorjahren. Doch auch angesichts gesunkener Gaspreise wird mittlerweile wieder mehr verbraucht. Im Jahr 2025 waren insgesamt 864 TWh Gas verbraucht, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr (845 TWh). Im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch der Jahre 2018-2021 sind es aber 2025 knapp 13,5 Prozent weniger gewesen.