Gas FüllstandSo voll sind die Gasspeicher in Deutschland

Deutschland will weg vom russischen Gas. Doch in diesem Jahr sind die Gasspeicher bislang besonders leer. Die Übersicht zeigt, wie viel Erdgas aktuell vorrätig ist und welche Speicher bis zum Herbst befüllt werden müssen.

Jahrelang hat Deutschland seine Gasspeicher mit günstigem russischem Gas aufgefüllt. Noch im vergangenen Jahr stammte mehr als die Hälfte des hierzulande genutzten Gases (55 Prozent) aus Russland. Seit dem Krieg in der Ukraine will sich Deutschland von dieser Energieabhängigkeit lösen. Bereits bis Mitte April sank der Anteil laut Bundeswirtschaftsministerium bereits auf rund ein Drittel. Allerdings müssen die Gasspeicher nun rasch aufgefüllt werden. Sie waren Anfang des Jahres besonders leer.

Gasreserve von 80 Prozent bis Herbst nötig

Ihren tiefsten Füllstand hatten sie am 10. März mit 24 Prozent erreicht, deutlich unter dem Fünfjahresmittel an diesem Tag (43 Prozent). Die Grafik zeigt Tagesfüllstände seit Jahresbeginn (grüne Linie) im Vergleich zu den fünf Jahren (2017 bis 2021) zuvor - innerhalb der Spanne des Höchstwerts und des Tiefswerts (grauer Bereich) sowie dem Fünfjahres-Durchschnitt für den jeweiligen Tag (lila Linie).

Ohne ausreichende Gasreserven droht ganzen Industriezweigen der Produktionsstopp, und die Menschen könnten im kommenden Winter zu Hause frieren. Der Bundestag hat deshalb Ende März das Gasspeichergesetz erlassen – erstmals mit verbindlichen Vorgaben für die Füllstände: Zum 1. Oktober müssen diese zu 80 Prozent gefüllt sein, einen Monat später muss der Speicherstand 90 Prozent betragen.

Wo Gasspeicher in Deutschland stehen

Die Karte zeigt verschiedene Gasspeicher in Deutschland nach Kapazität und Füllstand. Der Gasinfrastrukturverband GIE sammelt Daten für den größten Teil der verfügbaren Speicher Deutschland und Europa: Die Standorte auf der Karte repräsentieren mehr als 90 Prozent der Speicherkapazität in Deutschland. Auffällig geringe Füllstände sind auf der Karte Rot dargestellt.

Mehrere Speicher einer Firma am selben Standort werden als ein Punkt dargestellt.

Fast leer ist seit Monaten ausgerechnet der größte Speicher in Deutschland: Auf den Gasspeicher im niedersächsischen Rheden entfällt rund ein Fünftel der deutschen Kapazität, doch sein Füllstand sackte unter ein Prozent. Der Speicher wird von der Firma Astora betrieben – einem Tochterunternehmen von Gazprom Germania.

Bereits nach dem Frühjahr 2021 hatte der russisch Mutterkonzern kaum noch neues Gas nach Rheden fließen lassen. Mittlerweile hat die Bundesnetzagentur die Kontrolle übernommen und lässt den Speicher über Drittfirmen befüllen. Wieviel und ob russisches Gas reinfließt, ist fraglich. Russland hat gegen Gazprom Germania und andere ehemalige Tochterunternehmen seines staatlichen Gaskonzerns Sanktionen verhängt, sie sind damit vom Gasgeschäft mit Moskau ausgeschlossen.

Wofür Erdgas in Deutschland gebraucht wird

Gasengpässe würden in Deutschland die Industrie und Haushalte besonders hart treffen: Zwei Drittel des gesamten Gases in Deutschland wurden im Jahr 2021 zum Heizen von Wohnungen oder für die Produktion genutzt. Vor allem Chemiebetriebe sind auf den Energieträger angewiesen.

Falls im Herbst Gas-Mangel herrscht, entscheidet die Bundesnetzagentur, wer wie viel Gas bekommt. Dann greift eine europäische Verordnung über für diesen Fall besonders schützenswerte Gruppen: Das seien laut Bundesnetzagentur private Haushalte, Krankhäuser, Pflegeheime, Polizeistationen und Kasernen.

Deutschlands Abhängigkeit vom russischen Gas sinkt bereits durch mehr Gas-Importe aus den Niederlanden und Norwegen über bestehende Rohrleitungen. Ein großer Teil des Bedarfs soll durch Flüssiggas (LNG) geckt werden. Insgesamt vier schwimmende und zwei stationäre Terminals sind für LNG- Tankschiffe geplant. Das erste feste Terminal in Wilhelmshaven soll bereits im Herbst dieses Jahres einsatzbereit sein.



Quellen: Gas Infrastructure Europe (AGSI), Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew).
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