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Grippe-Monitor

Grippe: Wie viele Fälle werden gerade gemeldet?

Die vergangene Grippesaison ist insgesamt auf einem niedrigen Niveau verlaufen. Die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus haben auch hier gewirkt. Anfang Oktober hat die neue Saison 2022/2023 begonnen – mit einer erhöhten Zahl der gemeldeten Influenza-Fälle.

Hinweis: Die Meldungen erfolgen auf Wochenbasis beim RKI. Sie werden fortlaufend aktualisiert, inklusive Korrekturen/Nachmeldungen für bereits vergangene Meldewochen.

Kommt die Grippe zurück? Schutzmaßnahmen gegen Corona wie Mindestabstände, Masken, Händewaschen und weniger Kontakte haben in den vergangenen beiden Winter auch Influenza-Viren an ihrer Verbreitung gehindert. Immunsysteme werden aber durch den Kontakt mit Erregern trainiert und gestärkt, und sind deswegen vermutlich schlechter vorbereitet als in Vorjahren. Zu Beginn der Saison 2022/2023 wurden Anfang Oktober wieder mehr Grippefälle gemeldet – im Mittel sogar mehr als in den fünf Jahren vor Corona zur gleichen Zeit.

Grippewelle in vergangenen Corona-Wintern ausgeblieben

Corona hat den üblichen Verlauf der Grippesaison ordentlich durcheinandergewirbelt: 2020/21 fiel die Grippewelle weltweit aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) registrierte damals nur 541 im Labor bestätigte Influenza-Fälle in Deutschland. Zum Vergleich: In der letzten Grippesaison vor der Corona-Pandemie wurden 185.893 bestätigte Infektionen gemeldet. Und auch von Herbst bis Frühling 2021/22 blieb eine befürchtete Doppel-Welle von Sars-CoV-2 und Influenza aus.

Grippesaison ist eigentlich ab der 40. Kalenderwoche bis in den Mai hinein (20. Kalenderwoche). Dann zirkulieren auf der Nordhalbkugel für gewöhnlich verstärkt Influenza-Viren. Zu einem Ansturm auf die Praxen und zum sprunghaften Anstieg nachgewiesener Grippefälle kam es bislang - vor Corona - meist nach dem Jahreswechsel. Die Grippewelle dauerte dann durchschnittlich 14 Wochen.

Grippe-Schutzimpfungen von Oktober bis Mitte Dezember empfohlen

Das Robert Koch-Institut betont, dass sich der Verlauf von Grippewellen nicht vorhersagen lasse und dass Verläufe regional unterschiedlich ausfallen können. Auch generell schwanke die Schwere von Saison zu Saison stark. Das hänge auch von den unterschiedlichen zirkulierenden Subtypen des Virus ab. Nach den vergangenen beiden Saisons mit Corona hält das RKI aber fest: Es sei nun denkbar, dass die Bevölkerung nun in erhöhtem Maße gegenüber den zirkulierenden Influenza-Viren besonders anfällig ist.

Die Grippeschutzimpfung gilt als wichtigster Schritt zum Schutz vor einer Erkrankung. In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (Stiko) unter anderem Menschen ab 60, Schwangeren, chronisch Kranken, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen und Menschen mit erhöhtem beruflichem Risiko, etwa in der Pflege, zur Grippeschutzimpfung. Als optimal für den rechtzeitigen Aufbau eines Schutzes gilt eine Impfung im Zeitraum Oktober bis Mitte Dezember.

Die Grippe vor Corona im Saisonverlauf seit 2008/2009

Das Robert-Koch-Instituts ist auch federführend bei der Beobachtung der Influenza in Deutschland - seit 1992 mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Alle im Labor bestätigten Fälle müssen hier gemeldet werden. Die gemeldeten Fallzahlen zeigen aber nur, wann uns die Grippe erwischt. Wie schwer die jeweilige Saison wirklich verlief, zeigen erst weitere Merkmale - wie die nachträgliche Schätzung der Todesfälle infolge der Influenza.

Es sind alljährlich weitaus mehr Menschen an Influenza erkrankt als Fälle bestätigt werden. Die gezeigten Fallzahlen basieren nur auf den Meldungen der Labore an die Gesundheitsämter, hinzu kommen Schnelltests aus Arztpraxen. Doch Ärzte entnehmen üblicherweise nur bei einem kleinen Anteil von Patienten Proben. Die Bereitschaft, im Labor auf Grippe zu testen, variiert regional und von Saison zu Saison. Und es geht auch nicht jeder zum Arzt, der unter typischen Grippesymptomen wie trockenem Reizhusten oder Kopf- und Gliederschmerzen leidet - während der Corona-Pandemie erst recht nicht.

Bis zu jeder Fünfte vor Corona mit Grippe-Viren infiziert

Experten schätzen, dass vor Corona während einer Grippewelle fünf bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert wurden - zwischen 4 bis 16 Millionen Menschen in Deutschland. Nicht jeder Infizierte erkrankt aber. So suchten laut Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) in der Saison 2019/2020 rund 4,9 Millionen Menschen wegen Grippe den Arzt auf. Die im Labor bestätigten Fallzahlen (2019/2020: 186.626) zeigen also nur einen kleinen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens.

Mehr als 25.000 Grippetote in einer Saison

Laut RKI sind sie unzureichend für eine komplette Bewertung der Lage, insbesondere der regionalen Verbreitung und der Schwere einer Grippewelle im Vergleich zu den Vorjahren. Deshalb ziehen die Experten zur Bewertung der Grippesaison weitere Kriterien heran: wie die erhöhte Zahl von Arztbesuchen wegen akuter Atemwegserkrankungen oder Virusnachweise im Zentrallabor. Aus etlichen Datenquellen werden dann Schätzungen berechnet - zum Beispiel die Zahl der Grippetoten.

Und diese Werte unterscheiden sich stark von denen durch die Labore bestätigten Todesfälle. So wurden für Saison 2017/18 genau 1674 Tote durch Influenza laut Labormeldungen bestätigt. Doch nachträglich ergab sich laut RKI eine Schätzung von 25.100 Todesfällen, die auf die Grippe zurückzuführen sind - die höchste Zahl der vergangenen 30 Jahre.

Schweinegrippe vor Corona größter Saison-Ausreißer

Auch wenn die Laborzahlen der bestätigten Influenza-Fälle eine Saison nicht perfekt abbilden, geben sie doch gute Hinweise auf den zeitlichen Verlauf: wann es uns üblicherweise am stärksten erwischt, und wann wir mit dem Ende einer Grippewelle rechnen können. Im Saison-Vergleich der vergangenen Jahre zeigt sich ein deutlicher Außreißer: 2009 war der Höhepunkt bereits im Herbst erreicht. Damals hatte ein Grippe-Virus vom Typ A H1N1 die ganze Welt im Griff - besser bekannt als Erreger der Schweinegrippe. Doch mit Corona ist nun alles durcheinander gekommen.

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