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Grippe-Monitor

Grippewelle in der Corona-Pandemie ausgefallen

Normalerweise wird Deutschland im Winter von einer Grippewelle erfasst. Doch in der Saison 2020/2021 ist sie ausgeblieben – wegen Corona. So schwach war sie seit Beginn der Grippeüberwachung beim RKI noch nie.

Masken, Abstandsregelungen, Schulschließungen: Im Pandemiewinter 2020/2021 ist die Grippewelle ausgeblieben. Das Robert Koch-Institut (RKI) registrierte bis Ende April nur 541 im Labor bestätigte Fälle. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren um diese Zeit 185.893 bestätigte Infektionen. Gemeldet wurden 2020/201 insgesamt 14 Todesfälle im Zusammenhang mit der Grippe. In den Saisons zuvor waren es meist je einige Hundert, in der schweren Welle 2017/18 knapp 1700.

Grippesaison ist eigentlich ab der 40. Kalenderwoche bis in den Mai hinein (20. Kalenderwoche). Dann zirkulieren auf der Nordhalbkugel für gewöhnlich verstärkt Influenza-Viren. Zu einem Ansturm auf die Praxen und zum sprunghaften Anstieg nachgewiesener Grippefälle kam es bislang - vor Corona - meist nach dem Jahreswechsel. Die Grippewelle dauerte dann durchschnittlich 14 Wochen. Doch während der Corona-Pandemie blieben laut RKI auch die meisten anderen Länder der Nordhalbkugel von einer Welle verschont.

Corona-Maßnahmen und deutlich mehr Grippe-Schutzimpfungen

Als Begründung für das Ausbleiben der Infektionswelle gelten Corona-Maßnahmen mit Mindestabständen, Hygiene, Masken, Empfehlungen zum Lüften von Räumen, Homeoffice-Regelungen und zeitweisen Schulschließungen, wie das RKI bestätigte. Da diese Maßnahmen laut RKI „mehr oder weniger in allen Ländern weltweit gegen die Corona-Pandemie genutzt wurden“, hätten Grippeviren weltweit und auch schon im Sommer 2020 auf der Südhalbkugel kaum noch messbar zirkuliert.

Und noch etwas hat sich in der Pandemie geändert: Das Interesse an der Grippe-Schutzimpfung war insbesondere zu Beginn der ersten und zweiten Corona-Welle größer als normalerweise. Von März bis Dezember 2020 sind nach Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) rund 3,5 Millionen mehr solcher Impfungen vorgenommen worden als im Vorjahreszeitraum.

Die Grippe vor Corona im Saisonverlauf seit 2008/2009

Die Robert-Koch-Instituts (RKI) ist auch federführend bei der Beobachtung der Influenza in Deutschland - seit 1992 mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Alle im Labor bestätigten Fälle müssen hier gemeldet werden. Die gemeldeten Fallzahlen zeigen aber nur, wann uns die Grippe erwischt. Wie schwer die jeweilige Saison wirklich verlief, zeigen erst weitere Merkmale - wie die nachträgliche Schätzung der Todesfälle infolge der Influenza.

Es sind alljährlich weitaus mehr Menschen an Influenza erkrankt als Fälle bestätigt werden. Die gezeigten Fallzahlen basieren nur auf den Meldungen der Labore an die Gesundheitsämter, hinzu kommen Schnelltests aus Arztpraxen. Doch Ärzte entnehmen üblicherweise nur bei einem kleinen Anteil von Patienten Proben. Die Bereitschaft, im Labor auf Grippe zu testen, variiert regional und von Saison zu Saison. Und es geht auch nicht jeder zum Arzt, der unter typischen Grippesymptomen wie trockenem Reizhusten oder Kopf- und Gliederschmerzen leidet - während der Corona-Pandemie erst recht nicht.

Bis zu jeder Fünfte vor Corona mit Grippe-Viren infiziert

Experten schätzen, dass vor Corona während einer Grippewelle fünf bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert wurden - zwischen 4 bis 16 Millionen Menschen in Deutschland. Nicht jeder Infizierte erkrankt aber. So suchten laut Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) in der Saison 2019/2020 rund 4,9 Millionen Menschen wegen Grippe den Arzt auf. Die im Labor bestätigten Fallzahlen (2019/2020: 186.626) zeigen also nur einen kleinen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens.

Mehr als 25.000 Grippetote in einer Saison

Laut RKI sind sie unzureichend für eine komplette Bewertung der Lage, insbesondere der regionalen Verbreitung und der Schwere einer Grippewelle im Vergleich zu den Vorjahren. Deshalb ziehen die Experten zur Bewertung der Grippesaison weitere Kriterien heran: wie die erhöhte Zahl von Arztbesuchen wegen akuter Atemwegserkrankungen oder Virusnachweise im Zentrallabor. Aus etlichen Datenquellen werden dann Schätzungen berechnet - zum Beispiel die Zahl der Grippetoten.

Und diese Werte unterscheiden sich stark von denen durch die Labore bestätigten Todesfälle. So wurden für Saison 2017/18 genau 1674 Tote durch Influenza laut Labormeldungen bestätigt. Doch nachträglich ergab sich laut RKI eine Schätzung von 25.100 Todesfällen, die auf die Grippe zurückzuführen sind - die höchste Zahl der vergangenen 30 Jahre. Zur vergangenen Saison 2019/20 lagen noch keine Hochrechnungen für ganz Deutschland vor.

Schweinegrippe bislang größter Saison-Ausreißer

Auch wenn die Laborzahlen der bestätigten Influenza-Fälle eine Saison nicht perfekt abbilden, geben sie doch gute Hinweise auf den zeitlichen Verlauf: wann es uns üblicherweise am stärksten erwischt, und wann wir mit dem Ende einer Grippewelle rechnen können. Im Saison-Vergleich der vergangenen Jahre zeigt sich ein deutlicher Außreißer: 2009 war der Höhepunkt bereits im Herbst erreicht. Damals hatte ein Grippe-Virus vom Typ A H1N1 die ganze Welt im Griff - besser bekannt als Erreger der Schweinegrippe. Doch während der Corona-Pandemie ist nun die komplette Saison 2020/2021 ein Außreißer.

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