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Tagelang schaufelten Feuerwehr, freiwillige Helfer und Bundeswehr Schnee von einsturzgefährdeten Dächern, wegen Lawinengefahr wurden ganze Ortsteile evakuiert, Schneemassen legten den Regionalverkehr lahm und in Wäldern brachen Bäume unter der Schneelast zusammen. Der Winter hat sich zu Jahresbeginn im Süden des Landes von seiner extremen Seite gezeigt. Von einem sich anbahnende Jahrhundertwinter nach dem Jahrhundertsommer 2018 war bereits die Rede. Doch davon war ganz Deutschland Ende Januar noch weit entfernt.

Vergleichsweise milder Januar trotz Schnee-Chaos

Im Gegenteil: Der Deutsche Wetterdienst bilanzierte in einer ersten Analyse seiner Messstationen einen vergleichsweise milden Januar, der allerdings überdurchschnittlich niederschlagsreich war. Doch das Schnee-Chaos blieb regional begrenzt, vor allem auf den Alpenraum. Die Niederschläge waren extrem ungleich verteilt: So blieb es in Nordthüringen und am Oberrhein staubtrocken, während im oberbayerischen Ruhpolding-Seehaus allein in den ersten beiden Januarwochen mehr als 430 Liter pro Quadratmeter fielen - mehr als ein kompletter Jahresniederschlag anderswo.

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Extrem-Winter in Bayern: Helfer schaufeln das verschüttete Hotel Hubertus in Balderschwang frei dpa

Etliche Orte in Bayern meldeten in der ersten Januarhälfte immer wieder neue Stationsrekorde. In Anger-Stoißberg bei Bad Reichenhall türmte sich der Schnee 240 Zentimeter hoch. Die höchste Schneedecke wurde mit mehr als vier Metern - wie fast in jedem Winter - auf der Zugspitze gemessen. Doch der Schneerekord konnte bislang auch auf Deutschlands höchstem Berg nicht gebrochen werden. In den Wintermonaten waren es dort schon einmal sechseinhalb Meter; am 8. Februar 1981.

Bricht dieser Winter doch noch Rekorde?

Die Auswertung dokumentiert die Durchschnitts- und Extremwerte der Winter seit 1960/61, basierend auf den Messungen Hunderter Stationen des Deutschen Wetterdienstes. Eine Deutschlandkarte zeigt jeweils die regionale Verteilung der Schneetage - und gibt damit jedem Winter ein Gesicht. Berücksichtigt sind dabei die Monate Dezember bis Februar - also der jeweilige meteorologische Winter. Die Werte für die aktuelle Saison werden täglich aktualisiert und zeigen wie nah dieser Winter wirklich an den bisherigen Rekorden ist - oder ob er noch Rekorde bricht.

1962/63: Als sogar Rhein und Ostsee zufroren

Eisige Minus 18,6 Grad zeigte die Messstation Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge am 21. Januar an; das bisherige Rekordtief für 2019. Für gewöhnlich wurden in den letzten Jahren aber Tiefstwerte deutlich unter minus 20 Grad gemessen. Der Winter ist zwar noch nicht vorbei. Ob der Kälterekord der letzten sechs Jahrzehnte noch gebrochen wird, ist aber fraglich: Dafür müsste das Thermometer 35,5 Grad unter null stürzen, so kalt war es am 17. Januar 1963 in Aldersbach-Kriestorf (Niederbayern).

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Jahrhundertwinter in Düsseldorf: 1963 war es so kalt, dass man über den Rhein spazieren konnte dpa

Überhaupt erstarrte im Winter 1962/63 ganz Europa in eisiger Kälte. Diese Saison ging als Jahrhundertwinter in die meteorologische Geschichte ein: Meterhohe Schneeverwehungen legten Straßen und Bahnstrecken lahm. Sogar der Rhein und die Ostsee froren zu. Dörfer sowie einige Nord- und Ostseeinseln wurden komplett von jeglicher Versorgung abgeschnitten.

1978/1979: Die Plötzliche Schneekatastrophe

Auch der Winter 1978/1979 bleibt als Katastrophen-Winter in bitterkalter Erinnerung. Ein Temperatursturz von plus 10 auf minus 30 Grad sorgte zum Jahreswechsel für heftige Schneestürme, die Norddeutschland und die DDR ungewöhnlich hart trafen: In zahlreichen Landkreisen wurde damals Katastrophenalarm ausgerufen.

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Schneemassen im Katastrophenwinter 1978/1979: Auch die Berliner mussten ihre Autos freischaufeln dpa

Bundeswehr und NVA waren im Dauereinsatz gegen die Schneemassen - in der DDR teilweise mit Panzern. Dort brach die Energieversorgung für zwei Tage in großen Teilen zusammen. Der Extremwinter forderte etliche Todesopfer: Allein in der Bundesrepublik kostete er 17 Menschen das Leben, für die DDR sind bis heute verlässliche Zahlen nicht bekannt.

2007/2008: Biergarten-Wetter mitten im Winter

Die Minus-30-Marke wurde seit Ende der insgesamt recht frostigen und schneereichen 80er-Jahre nicht mehr durchbrochen. Dagegen wurde nach der Jahrtausendwende ein Wärme-Rekord aufgestellt - mit 22 Grad Ende Februar 2008 im oberbayerischen Wielenbach. Während schwere Winterstürme über Norddeutschland und der Ostsee wüteten, strömten die Menschen im Süden der Republik in Scharen in die Biergärten und Cafés.

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Auch so kann Winter sein: Am letzten Februarwochenende 2008 im Biergarten am Nockherberg in München dpa

Dass 2018/19 ein Jahrhundertwinter wird, scheint unwahrscheinlich. Wie extrem oder normal dieser Winter wirklich war, lässt sich erst nach dem 28. Februar mit Bestimmtheit vergleichen - wenn diese Wintersaison zumindest meteorologisch zu Ende gegangen ist. Doch selbst dann ist es mit Schnee längst nicht vorbei, theoretisch auch nicht mit Schneerekorden: Immerhin wurde die bislang höchste Schneedecke mit 7,80 Meter im Frühling gemessen - am 26. April 1980; natürlich auf der Zugspitze.

Methodik und Aussagekraft der Berechnungen

Die Klimadaten entstammen täglichen Messungen an den Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Mehr zur Erhebung der Daten erfahren Sie in den Datensatzbeschreibungen des DWD:

Für die Karten der Anzahl Schneetage je Winter wurde ein digitales Geländemodell von Deutschland des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie mit einer Gittergröße von 1km x 1km mit den gemessenen Schneetagen je Station von Anfang Dezember bis Ende Februar verschnitten. Jeder Gitterzelle wurde diejenige Wetterstation zugewiesen, welche am nächsten am Zentrum der Zelle liegt und sich in einer ähnlichen Höhenlage befindet. Ein Schneetag liegt dann vor, wenn mindestens ein Zentimeter Schnee gemessen wurde.

Unsicherheiten ergeben sich aus den Distanzen zwischen Wetterstation und Gitterzelle und aus fehlerhaften oder fehlenden Beobachtungen in den Messdaten. Außerdem ist beim Vergleich der Jahre zu beachten, dass sich das zugrundeliegende Messnetz über die Zeit verändert hat und immer dichter wurde. Die Karten können daher kein exaktes Bild der regionalen Unterschiede der Anzahl Schneetage in Deutschland geben, nähern sich diesem jedoch an.

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